Institut für Fort-und Weiterbildung

 

Wenn Kinder große Fragen stellen und Erwachsene mit ihnen nach Antworten suchen

22.07.2019

Auf dem 3. Diözesanen Kongress Kinder- und Familiengottesdienste in Untermarchtal bekommen 280 Engagierte Anregungen und Ideen für ihre Aufgabe

Samstag, 9.00 Uhr - auf dem Platz vor dem Bildungshaus des Klosters Untermarchtal treffen mehr und mehr Frauen und auch einzelne Männer ein. Mit dem Willkommenskaffee in der Hand sammeln sie sich vor dem Infostand und der großen Tafel mit den Workshops. Wo findet mein Arbeitskreis statt? Für was hatte ich mich nochmal angemeldet? Die erste Orientierung klappt problemlos und voller Erwartungen kann es in den gut gefüllten Tag gehen. 

Zum dritten Mal hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu dem Kongress Kinder- und Familiengottesdienste eingeladen. Unter Leitung des Referats Liturgie mit Kindern und Familienpastoral am Institut für Fort- und Weiterbildung wurde unter dem Titel „Was glaubst du? Mit Kindern große Fragen stellen und nach Antworten suchen“ wieder ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Die rund 280 ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierten kamen ins Gespräch, bekamen viele Anregungen für die eigene Arbeit und konnten neuen Ideen spinnen. „Wir möchten mit diesem Tag Danke sagen für den großen Einsatz, den so viele Woche für Woche in  und um die Liturgie mit Kindern und Jugendlichen bringen,“ sagte Ulrike Mayer-Klaus, zuständige Referentin am Institut und verantwortlich für diesen Tag und ergänzt: „Zudem soll der Tag vernetzen und den Einzelnen vor Ort zeigen: Wir sind nicht allein!"

Das Impulsreferat zum Einstieg in den Tag hielt Rainer Oberthür. Der Dozent für Religionspädagogik, Autor und stellvertretende Leiter des Katechetischen Instituts in Aachen machte darin Mut, Kinderfragen zuzulassen, mit ihnen Fragen zu stellen und gemeinsam auf die Suche nach Antworten zu gehen. Er sieht in den Fragen der Kinder die großen Fragen der Welt gestellt – auf die Weise, wie sie Kinder stellen können. Aus der Frage nach dem Wichtigsten kommen Kinder zum Fragen und Hinterfragen der erwarteten Antworten. Und das Hinterfragen aller Antworten sei der Ausrichtung geschuldet, hinter den Sinn der Welt zu kommen, also Gott in den Blick zu nehmen. Durch diesen Überstieg im Fragen werde den kleinen wie großen Menschen klar, dass sie mehr sind als Sternenstaub. Fragen nach Antworten fördere die Sprachfähigkeit und man müsse sich nicht fürchten, wenn Kinder auch auf die Widersprüchlichkeiten zwischen Wissen und Glauben stoßen. Es müsse nur vermittelt werden, dass nicht das Wissen die Bedeutsamkeit setzen könne, sondern der Glaube durch sein Offenhalten auf Gott hin. Der dürfe dann auch ein Geheimnis bleiben und als solches eine lebendige Spannung erhalten. Wer glaubt, habe nicht mehr Antworten, aber er sei offener für mehr Fragen und stelle diese Fragen, weil er eine Grundahnung habe. Fragen öffnen für Antworten und Antworten öffnen für das Weiterfragen.

 

Am Anschluss hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit in 16 Workshops tiefer in einzelne Aspekte ihrer Arbeit einzusteigen. Neben vertiefenden Angeboten zum Referatsthema  ging es z.B. um Musik und Rhythmus, um Alltagsspielzeug und kreative Methoden im Gottesdienst, um das Erzählen biblischer Geschichten genauso um Rollenspiele, den Kirchenraum oder das Beten. Das Pilgern mit Kindern und Familien war ebenso Thema wie Gottesdienste zu biographiebegleitenden Lebensfeiern, berührende Gottesdienste oder ein religiöses Wochenritual für Kindergartenkinder. Für Kinder, die am Tag dabei waren, gab es ein eigenes Programm. Kreativ, spielerisch und musikalisch verging auch bei ihnen die Zeit wie im Flug. Zum Abschluss des Tages feierten in der Vinzenzkirche alle miteinander einen bewegenden und bewegten Familiengottesdienst mit Spiritual Udo Hermann.

 

„Mir hat dieser Tag wieder viele Anstöße gegeben.“, zog eine Teilnehmerin ihr persönliches Fazit. Und eine andere machte deutlich, wie sehr es sie motiviert, mit anderen unterwegs zu sein und Dinge einfach ausprobieren zu können. „Das macht dann wieder Lust, auch in der eigenen Gemeinde mal neue Dinge zu versuchen. Ein neuer Blickwinkel schadet ja nichts.“ Zudem machten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich, dass sie sich rund um gut „versorgt fühlten.“ Das lag zum einen an der Organisation durch das Team des Instituts sowie an der guten Aufnahme und Verpflegung durch das Bildungshaus des Klosters Untermarchtal. Dr. Thomas Fliethmann, Direktor des Instituts für Fort- und Weiterbildung brachte es deshalb bei seinen Dankesworten auf den Punkt: „Wir hoffen, in ein paar Jahren zum 4. Kongress Kinder- und Familiengottesdienste wieder zusammenkommen zu können.“ Markus Vogt, Stuttgart